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Dank Corona und HomeOffice: Cyberversicherungen
boomen in 2021??

Betrachtet man die gesellschaftliche Entwicklung, so zeigt sich, dass die Digitalisierung unaufhaltsam fortschreitet. Home-Office oder Home-Schooling sind neben der kommenden elektronischen Patientenakte (ePA) oder dem elektronischen Rechtsverkehr in Form der zwischen Rechtsanwälten und den Gerichten stattfindenden besonderen elektronischen Akte (beA) und dem Online Zugangsgesetz (OZG) Beispiele dafür, was noch in Zukunft auf die Gesellschaft zukommt. Man kann davon ausgehen, dass schon in naher Zukunft – sprich 1 bis 2 Jahren – der Digitalisierungsprozess mit großer Dynamik weitgehend alle Prozesse des wirtschaftlichen, administrativen und gesellschaftlichen Lebens verändern wird. Obgleich viele noch vermuten, dass dieser Prozess noch lange hin ist. Die Digitalisierung hat spätestens seit dem Online-Aktionismus aufgrund der „Corona-Krise“ in der Gesellschaft an Deutlichkeit gewonnen.

Die Digitalisierung ruft auch Akteure auf den Plan, die Lücken und Fehler in der Digitalisierung für ihre Zwecke missbrauchen: die so genannte Cyber-Kriminalität. Vom einfachen Bildschirm-Scherz vor zwanzig Jahren hat sich nach Angaben des BSI (Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik) die Cyber-Kriminalität zur umsatzstärksten Kriminalitätssparte weltweit entwickelt. Unzählige, millionenfache, unterschiedlich motivierte Angriffe werden minütlich auf die IT-Systeme gemacht. Es liegt also eine objektive Bedrohungslage vor, welche nicht nur Unternehmen sondern auch Privatpersonen massiv trifft.

Die Problemstellung bei der Digitalisierung zeigt sich in der völligen Abhängigkeit vom Datenfluss. Die Gefahren liegen im Datenverlust (Industriespionage), Missbrauch von Daten, Zugangsverlust (Betriebsausfall) oder auch Identitätsklau und Mobbing. Dadurch können große wirtschaftliche und persönliche Schäden entstehen. Die Erfolge der Digitalisierung (Daten basierte Prozesse) und zugleich die Gefahr sind damit die zwei Seiten einer Medaille.

Die Gefahren der Digitalisierung, die Schäden und Folgen sind objektiv und real und werden auch seit jeher bekämpft. Als Folge haben die Versicherer in den letzten Jahren die Cyberversicherung entwickelt.  

Beschäftigt man sich dem Thema Cyberversicherungen ergeben sich eine Vielzahl von komplexen Themen. Denn die Cyberversicherung ist weniger eine Versicherung im klassischen Sinne, sondern vielmehr eine umfangreiche Assistance-Leistung, die sich bereits lange vor möglichen Schäden,

im Falle eines Schadens und auch nach einem Schaden äußerst hilfreich zeigt. Dabei ist die abgesicherte Leistung so vielfältig, dass sie durch eigene Ressourcen kaum dargestellt werden kann.

Im Ergebnis steht also die Notwendigkeit und die Möglichkeit der Absicherung für Privatpersonen und Unternehmen gegen die Cyber-Bedrohungen und sollte wohl der Cyberversicherung zu einem ein Boom verhelfen.

Doch hört man in den Markt für Cyberversicherungen hinein, so zeigt sich ein anderes Bild. So ist bei den Kunden, egal ob Unternehmen oder Privatkunden, die Erkenntnis über die Notwendigkeit noch nicht angekommen. Unlängst berichtete ein Hochschuldozent davon, dass 95% seiner Informatikstudenten den Begriff Cyberversicherung noch nicht einmal kannten, geschweige denn sich ein Bild über mögliche Leistungen machen konnten. Die Versicherungsvermittler berichten von einem völlig fehlenden Verständnis über die Gefahren und damit verbundenen Risiken der Digitalisierung in Unternehmen und bei Privatpersonen.

Martkausblick Versicherung

Offensichtlich fehlt neben dem Verständnis, dass es immense Gefahren bei der Digitalisierung gibt, auch der Weitblick über die Auswirkungen der Schäden. Großkonzerne und Staat haben bereits die Gefahren erkannt und sind bereits seit Jahren in der Abwehr aktiv.

Woran liegt also das fehlende Verständnis im KMU-Bereich und bei Privatpersonen über die Auswirkungen entsprechender Schäden bei der Nutzung von digitalen Prozessen. Erklärend könnte der Umstand sein, dass die Komplexität der IT-Welt auch für moderne und gebildete Menschen undurchschaubar bleibt. Verstärkt wird dies durch die trügerische Sicherheit, welche IT-Dienstleister in ihren Kunden hervorrufen. Wenn ein IT-System „läuft“, dann ist es wohl auch sicher.

Zu überdenken ist auch das Marketing der Versicherer in Sachen Cyberversicherung. Aktuell gelingt es kaum die Notwendigkeit für Cyberversicherungen beim Kunden zu wecken! Obwohl latent jeder Mensch, oder jedes Unternehmen die Notwendigkeit „irgendwie“ anerkennt führt dies doch nicht zum Abschluss einer Cyberversicherung.

Auch der Staat sollte noch mehr tun. So ist mit der Schaffung der DSGVO ein solides Instrumentarium entstanden. Doch scheitert der Datenschutz an deren Umsetzung, es hapert daran, dass die Umsetzung kaum überwacht wird. So scheint es, dass beispielsweise eher Großkonzerne mit viel Umsatz bestraft werden. Der viel größere Bereich der kleinen und mitteständischen Unternehmen, wie auch Freiberufler, werden in Ruhe gelassen.

Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass die Gesellschaft abwartet. Schäden werden nur bei den anderen wahrgenommen, obgleich die Gefahr und Eintrittswahrscheinlich durch die Digitalisierung für alle immer größer wird.

Die Digitalisierung wächst exponentiell. Was das bedeutet verdeutlicht das Beispiel des persische Märchens vom Reiskorn und dem Schachbrett. Auch die Corona-Gefahr wird mit der Angst vor einem exponentiellen Erkrankungsstand begründet.

Der Staat sollte wie z.B. wie in der Vergangenheit beim Sicherheitsgurt und Verbandskasten entsprechende Schutzmaßnamen auch beim Umgang mit der Digitalisierung vorgeben und prüfen. Damals wurden bei der Einführung und nach einer Übergangsfrist auch Bußgelder eingeführt. Heute ist jedermann angeschnallt und jedes Auto hat seinen Verbandskasten dabei. Diese zunächst erzwungenen Maßnahmen haben vielen Menschen ihre Leben gerettet. Heute hinterfragt niemand die Maßnahmen mehr, man tut es einfach.

Letztlich muss die Gesellschaft selbst die Herausforderungen der Digitalisierung annehmen. Mag die Materie auch noch komplexer werden. Frei nach dem Motto: Wenn du morgen deinen Schaden bezahlt haben möchtest, musst du heute handeln.

Es steht zu erwarten, dass die Gesellschaft sich zwar langsamer als die Digitalisierung, aber gleichwohl in puncto Absicherung vor Cyberschäden öffnen wird. 

Allerdings gibt es gesamtgesellschaftlich und staatlich noch viele Hürden zu nehmen. Erst wenn es gelingt den Datenschutz, den Cyberschutz konzertiert anzugehen wird die Cyberversicherung zu einer selbstverständlichen Absicherung für Unternehmen und Privatpersonen werden. Erst ab diesem Moment wird die Cyber-Versicherung maßgeblichen Erfolg verzeichnen können. 

Dann wird jeder, der Daten verarbeitet, ob privat oder gewerblich, einen Cyberschutz haben, ganz selbstverständlich.